Mut zur Veränderung: Von der Köchin zur Finanzberaterin
Jaanaky Sivasooriyathevan hat einen Schritt gewagt, den sie selbst kaum für möglich gehalten hätte. Nach über zehn Jahren in der Gastronomie ist sie in die Finanzwelt gewechselt. Heute berät sie Kundinnen und Kunden im Begegnungszentrum der BEKB, betreut ihr eigenes Kundenportfolio und hat dabei ihre Leidenschaft für den direkten Kontakt mit Menschen neu entdeckt.
Aufgewachsen in Bern, entschied sich Jaanaky Sivasooriyathevan nach dem Gymnasium recht spontan für ein Jurastudium. Doch schon nach einem Jahr kamen Zweifel auf. Die Arbeit als Serviceangestellte in der Gastronomie, die sie neben dem Studium ausübte, bereitete ihr deutlich mehr Freude als das Pauken von Paragrafen. Vor allem das Kochen faszinierte sie – so sehr, dass sie mit 25 Jahren das Studium abbrach und eine Lehre als Köchin begann.
„Kochen war meine Leidenschaft und ich habe diesen Schritt nie bereut“, erinnert sie sich. In renommierten Betrieben lernte sie die ganze Bandbreite der Gastronomie kennen: von feinsten Gourmetkreationen bis zur herzhaften Landhausküche. Auch privat war es eine prägende Zeit: In der Gastronomie lernte sie ihren Mann kennen, der ebenfalls Koch ist.
Jaanaky stand viele Jahre in der Restaurantküche am Herd. Als das Thema Familienplanung aktueller wurde, wuchs ihr Wunsch nach geregelteren Arbeitszeiten. Sie wechselte deshalb in die Küche eines Altersheims, wo sie zwar weiterhin an Wochenenden und Feiertagen arbeitete, dafür aber tagsüber und ohne Spätschichten.
Doch genau da lag der Knackpunkt: „Als die Kinder grösser wurden, wurde mir klar: Wir hatten als Familie fast nie gemeinsam frei. Entweder arbeiteten mein Mann oder ich.“ Zudem war die Arbeit sehr anspruchsvoll und körperlich fordernd.
Der Wunsch nach Veränderung wuchs. „Vielleicht könnte ich ja bei einer Bank arbeiten“, sagte sie einmal halb im Scherz zu einer Freundin. Zahlen hatten sie zwar immer interessiert, aber realistisch schien es ihr nicht. Eine Köchin in der Finanzwelt? Unmöglich.
Doch dann passierte es: Bei ihrer Stellensuche stiess sie auf eine Anzeige der BEKB. Gesucht wurden explizit Quereinsteigerinnen und -einsteiger – auch aus der Gastronomie. „Ich konnte es kaum glauben. Es fühlte sich an, als wäre die Anzeige direkt für mich geschrieben worden.“ Sie bewarb sich, durchlief zwei Vorstellungsgespräche und erhielt schliesslich die Zusage.
Jaanaky Sivasooriyathevan, Finanzcoach„Das Beste an meinem Job ist der Kontakt zu den Menschen. Zuhören, Lösungen finden und jemandem den Tag ein Stück leichter machen – das erfüllt mich sehr.“
Im April 2023 startete Jaanaky als Finanzcoach für Basisdienstleistungen am Bundesplatz in Bern. Der Respekt vor der neuen Welt war gross, vor allem vor dem Computer. „In der Küche habe ich den Computer höchstens gebraucht, um Bestellungen aufzugeben oder E-Mails zu beantworten. Ich hatte Angst, mich zu blamieren.“
Doch der Einstieg gelang. Sie besuchte das viermonatige Kantonalbank-Fachseminar, das einem Banklehrabschluss gleichwertig ist, und absolvierte zusätzlich erfolgreich die SAQ-Zertifizierung „Kundenberaterin Bank“. Die Ausbildung war intensiv und verlangte neben dem Unterricht auch viel Selbststudium und Eigeninitiative.
Heute macht sie Spontanberatungen für die Laufkundschaft an der Bundesgasse in Bern und betreut ihr eigenes Kundenportfolio. Sie eröffnet Konten, berät zu Vorsorgelösungen wie der Säule 3a, unterstützt bei Anliegen zu Karten oder Bancomaten und begleitet Kundinnen und Kunden bei Anlageentscheiden bis 100’000 Franken. Komplexere Finanzthemen leitet sie an spezialisierte Kolleginnen und Kollegen weiter.
„Das Beste an meinem Job ist der Kontakt zu den Menschen. Zuhören, Lösungen finden, jemandem den Tag ein Stück leichter machen – das erfüllt mich sehr.“ Oft gehe es nicht nur ums Finanzielle, sondern auch darum, für Menschen da zu sein, wenn sie jemanden brauchen.
Samira Pavesi, Fachspezialistin Personalentwicklung und Changemanagement, BEKB„Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger bringen neue Stärken mit: Leidenschaft, Flexibilität und Erfahrung im Umgang mit Menschen. Das ist ein Gewinn für unsere Teams und unsere Kundinnen und Kunden.“
Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Neben der spontanen Betreuung im Tagesgeschäft auch noch das Portfolio im Blick zu behalten, erfordert ein gutes Zeitmanagement. „In der Küche gab es Stressspitzen, hier ist die Belastung hingegen konstanter. Man muss dranbleiben und immer wieder Prioritäten setzen.“
Unterstützung fand sie von Beginn an im Team. Die Kolleginnen und Kollegen nahmen sich Zeit, erklärten und halfen. Auch mit den anderen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern, die kurz vor ihr anfingen, konnte sie Erfahrungen austauschen. „Dieses Miteinander hat meinen Start enorm erleichtert.“
Zwei Jahre nach ihrem Wechsel zieht sie ein positives Fazit: Sie hat geregelte Arbeitszeiten, freie Wochenenden, mehr Zeit mit der Familie und eine Perspektive für die Zukunft. „Der Schritt war nicht einfach, aber er hat sich mehr als gelohnt. Ich bin sehr dankbar, dass mir die BEKB diese Chance gegeben hat.“